Auswirkungen der 3. Piste

Der Bau einer dritten Piste und das dadurch provozierte Wachstum des Flugverkehrs hätten vielfache negative Auswirkungen auf unser Klima, das Ökosystem und unsere Gesundheit.

Auswirkungen auf das Klima

Die Klimakrise ist schon jetzt Realität, sie bedroht das Leben und die Existenzgrundlagen von Milliarden von Menschen sowie das Überleben unzähliger Tier- und Pflanzenarten. Häufigere extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Dürreperioden, Stürme und Hagel sind auch zunehmend in Österreich spürbar, wo die Durchschnittstemperatur seit 1880 um fast 2 °C angestiegen ist. Wenn wir nicht jetzt angemessene Maßnahmen ergreifen, die an den Ursachen ansetzen, ist bis 2100 weltweit ein zusätzlicher Anstieg von 3 bis 5 °C zu erwarten (Quelle, S. 28).

Der CO2-Ausstoß durch Luftfahrt hat aufgrund der Flughöhe eine besonders negative Klimawirkung. Für jede emittierte Tonne CO2 verschwinden rund drei Quadratmeter arktisches Sommereis (Studie im Journal Science). Fliegt eine Person von Wien nach Las Palmas (Kanarische Inseln) und zurück, vernichten ihre CO2-Emissionen also viereinhalb Quadratmeter Arktiseis. Flugverkehr emittiert außerdem weitere umwelt- und klimaschädliche Substanzen wie Stickoxide, Rußpartikel und Wasserdampf, welche klimawirksame Kondensstreifen und Zirruswolken verursachen. Ihr Klimaeffekt ist mindestens doppelt so groß wie der des CO2 (Quelle 1, S. 4; Quelle 2). Insgesamt trägt der weltweite zivile Luftverkehr mit rund 5 % zum Klimawandel bei (Quelle 1; Quelle 2; Quelle 3, S. 20). Vor allem Kurzstreckenflüge, die leicht durch Zugfahrten ersetzt werden könnten, sind besonders klimaschädlich: Pro 1.000 Personenkilometer emittieren diese im Schnitt 250 Kilogramm CO2 und damit 18 Mal so viel wie die Bahn. Zwei Drittel der Passagiere in Schwechat fliegen kürzer als 1.000 km.

Flugverkehr ist der in Österreich und weltweit am stärksten wachsende und klimaschädlichste Verkehrssektor (Quelle 1; Quelle 2). Die 3. Piste soll laut Ausbauplänen der weiteren Steigerung des Flugverkehrs dienen, Schwechat soll zum Drehkreuz werden. Sie würde gemäß der Flughafenprognosen zum erwarteten Flugwachstum gegenüber dem Basisjahr 2003 zu einem zwei- bis dreifachen Anstieg der CO2-Emissionen bis 2025 führen. Werden die anderen klimaschädlichen Auswirkungen des Fliegens mit einberechnet (Rußpartikel, Stickoxide, Zirruswolken), so kommt man auf etwa 10 Millionen Tonnen klimawirksame Emissionen pro Jahr. Zum Vergleich: Der gesamte österreichische Straßenverkehr produziert derzeit etwa 22 Millionen Tonnen jährlich.

In Österreich ist der Transportsektor mit einem Anteil von 28 % der größte Verursacher von Treibhausgasen. Er ist auch der Sektor in Österreich, dessen Emissionen am stärksten ansteigen: 1990 emittierten die Sektoren Energie, Raumwärme und Mobilität noch etwa gleich viel, heute verursacht der Verkehr jedoch doppelt so viel Treibhausgase wie der Energiesektor und fast drei Mal so viel wie der Bereich Raumwärme. Laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) müssten die Emissionen im Verkehrssektor im Vergleich zu 2013 um 76 % verringert werden, um die vereinbarten Klimaziele für das Jahr 2050 zu erreichen. Meint es Österreich ernst mit dem Pariser Klimavertrag, so ist ein Stopp der 3. Piste absolut notwendig.

Gesundheitsbelastung durch Lärm

Das vom Flughafen prognostizierte Flugaufkommen würde von derzeit (2013) 240.000 Flugbewegungen auf 460.000 im Jahr 2030 ansteigen, das bedeutet, dass ca. jede Minute ein Start und eine Landung erfolgt. Der Flughafen liegt verglichen mit anderen Großstädten sehr nahe an den Ballungszentren. Die geplante 3. Flugbahn ist so ausgerichtet, dass die Flüge noch mehr als zuvor direkt über den am dichtest besiedelten Ballungsraum Österreichs geleitet würden. Direkt betroffen sind dann mindestens 350.000 Menschen. In Liesing hätte das laut Bürger*inneninitiativen beispielsweise dreimal so viele Überflüge als jetzt zur Folge. Auch in Favoriten, Hietzing, Penzing, Simmering und im Naherholungsgebiet Wienerwald würde es lauter werden.

Lärm, vor allem nachts, sowie die Luftverschmutzung durch Stickoxide und Feinstaub verursachen physische und psychische Gesundheitsschäden. So haben über 100 Studien aus verschiedenen Ländern und mit verschiedenen Studiendesigns einen Zusammenhang zwischen Fluglärm und Schlafstörungen, Entwicklungsstörungen bei Kindern und Herzkreislauferkrankungen (erhöhtes Risiko von Bluthochdruck, Herzinfarkt, Herzversagen und Hirnschlag) festgestellt (s. auch Quelle 2). Um Schweizer Flughäfen sind tödliche Herzinfarkte bis zu 48% häufiger als in von Fluglärm armen Gebieten. Der Ausstoß von Stresshormonen im Schlaf erfolgt schon weit unter den gesetzlich festgelegten Dezibelwerten, ab denen Schutzmaßnahmen zu erfolgen haben (in der Schweiz wie in Österreich liegt diese Grenze bei etwa 50-55 dB). Er führt zu Blutdruckanstieg, Verschlechterung der Schlafstruktur, reduzierte Reaktions-, Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sowie Demotivation und Resignation, die sich auch auf andere Lebensbereiche überträgt. Diese Gesundheitsgefährdung führt auch zu erheblichen Krankheitskosten.

Zerstörung der Biodiversität und landwirtschaftlicher Flächen

Die dritte Piste würde 661 ha Fläche in Anspruch nehmen, darunter landwirtschaftliche Flächen, Wald und biodiversitätsreiche Trockenrasenflächen (Quelle 1, S. 98, Quelle 2). Knapp 200 Hektar müssten für Landebahn und Rollwege mit Beton und Asphalt versiegelt werden – das entspricht mindestens acht Mal der Wiener Ringstraße. Betroffen sind auch rund 20 Hektar Wald, der gerodet werden soll, sowie Trockenrasenflächen und Schutzgebiete von seltenen Großtrappen und Zieseln in nächster Nähe. Die dafür vorgebrachte Scheinlösung lautet, die zerstörte Natur solle über Ausgleichsflächen woanders „wiederhergestellt“ werden. Doch Natur ist nicht gleich Natur. Statt des Ablasshandels mit Naturzerstörung sollte unnötige, nicht nachhaltige Infrastruktur gar nicht erst gebaut werden.

Durch den Ausbau würden zudem mehrere hundert Hektar fruchtbare landwirtschaftliche Fläche zerstört werden. Mehrere Landwirt*innen sehen ihre Äcker bedroht oder mussten diese schon verkaufen. Dies ist besonders gravierend angesichts der Tatsache, dass ohnehin schon rund 20 Hektar (umgerechnet 28 Fußballfelder) Fläche in Österreich verbraucht werden – und das pro Tag! Dabei ist eine regionale und stadtnahe Landwirtschaft für eine zukunftsweisende erdölarme Lebensmittelversorgung entscheidend.